Verfasst von: doppelherzhaelfte - große Schwester Am: Dezember 21, 2009
So wirklich habe ich nicht mitbekommen, wie man mir heute Nacht ins Ohr flüsterte, dass es ziemlich geschneit habe - bis ich heute morgen aufgewacht bin und da draußen gab es ein Puderzuckerparadis. Trotz eines genau berechneten Minutenbadplans habe ich es geschafft fünf Minuten beim Lidschatten zu sparen und statt zu radeln durch das Winterwonderland zu stapfen. Ungelogen bin ich bis zu den Knien im Schnee versunken und habe für 200 meter zehn Minuten gebraucht … bis mich meine Kollegin doch ins Auto eingesammelt hat. Meine Jeans hab ich zum Trocknen auf die Heizung gehangen und als ich am Nachmittag die angewärmten Hosen anzog, brachte mich eine kleine Erinnerung zum Lächeln: Mein Papa hat früher immer, bevor er aus dem Haus gegangen ist, alle Hausschuhe auf den dicken eisernen heißen Heizkörper gelegt, damit sie warm waren, wenn man beim Heimkommen bis zu den Zehenspitzen durchgefroren war.
… Und dann entsteht im Kopf ein wunderbares Erinnerungkarussell, welches bei jeder neuen Umdrehung ein Glitzern in die Augen treibt. Man kann es direkt fühlen und riechen, den Duft der Erinnerung, der verzauberten Stimmung.
…einige Puzzleteile aus dem großen Erinnerungspuzzle möchte ich Euch nicht vorenthalten…
Es war Ende Januar 1987 gaaaaanz früh am Morgen, der große Bruder mußte in die Schule und die Mama war im Krankenhaus weil gerade die kleine Schwester auf die Welt gekommen war . Papa war also mit der großen, kleinen Schwester allein zu Haus und wollte sie überrreden beim Stubenwagenbeziehen zu helfen. Na ja Haushaltsaufgaben waren noch nie meine Stärke und das verbotene Spielzeug des Bruders natürlich deutlich interessanter - bis das unausschlagbare Angebot kam. Würde ich helfen, dürfte ich später mit die Mama und das Baby besuchen. Eine laaange Zeit später stand ich an der Hand meines Papas an der großen Krankenhauspforte. Es roch komisch und überall waren Nonnen, alte und strenge Nonnen, die mich natürlich nicht zum Baby lassen wollten. Das Stoßgebet meines Papas wurde erhört und ich probte trotz dieser Reisenunverschämtheit keinen Aufstand sondern setzte mich auf die Bank in der Eingangshalle und verließ mich auf das Versprechen meines Papas, die Mama kurz zu holen. Auch das dauerte eine halbe Ewigkeit, aber dann kam sie mit einem Riesenkopfkissen (Steckkissen) auf dem Arm aus dem mich zwei große blaue Augen verschlafen anblinzelten. “Ich darf jetzt mit nach Hause” sagte die Mama stolz und auf meine Frage, ob wir denn das Baby auch mitnehmen dürften antwortete sie nur:” Na klar, das ist doch unseres.” Und so fuhr einige Minuten später eine wahnsinnig stolze jetzt endlich große Schwester mit dem Baby neben sich auf dem Rücksitz liegend (wer braucht im Trabant schon einen Maxi Cosi?) nach Hause, wo das Baby dann in frisch bezogenen Stubenwagen einzog und friedlich einschlummerte… ja… und seitdem ist die große Schwester eine große Schwester, und die kleine Schwester, ja eben die kleine Schwester
Dezember 21, 2009 um 7:26 pm
(denn wer wollte schon seiner mama eine 5 in mathe zeigen